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Der Stapel unverlangter Manuskripte war schon immer groß. Mit generativer KI kostet es kaum noch Mühe, Texte in Masse zu produzieren und an viele Häuser gleichzeitig zu schicken. Für Lektorate und Agenturen heißt das: mehr Einsendungen, mehr Unsicherheit und dieselbe Zeit. Dieser Artikel zeigt, was andere erlebt haben und was Sie konkret tun können.
Was passieren kann: das Beispiel Clarkesworld
Das US-Magazin Clarkesworld veröffentlicht Science-Fiction und nimmt offene Einsendungen an. Herausgeber Neil Clarke hat dokumentiert, wie sich die Zahl der Einsendungen entwickelte, die er wegen Plagiat oder KI-Erzeugung sperren musste (Neil Clarke: A Concerning Trend):
Vor dem Aufkommen von ChatGPT lag sie meist unter 20 pro Monat.
Im November 2022 waren es 25, im Dezember 50, im Januar 2023 über 100.
Bis zum 15. Februar 2023 kamen fast 350 zusammen – mehr als doppelt so viele wie im ganzen Januar.
Am 20. Februar 2023, nachdem bis zum Mittag schon über 50 solcher Einsendungen eingegangen waren, schloss Clarke die Einsendungen vorübergehend.
Auch im Selfpublishing hat das Thema Folgen: Amazon begrenzte im September 2023 die Zahl neuer Titel bei KDP auf drei pro Tag, um Missbrauch vorzubeugen (eBookFriendly, 22.09.2023).
Warum Erkennungssoftware allein nicht reicht
Naheliegend wäre, jede Einsendung durch einen KI-Detektor zu schicken. Die Erfahrungen damit sind ernüchternd:
OpenAIs eigenes Erkennungswerkzeug erkannte in Tests nur 26 % der KI-Texte richtig und hielt 9 % der menschlichen Texte fälschlich für KI. Im Juli 2023 wurde es abgeschaltet (OpenAI).
Eine Stanford-Studie fand, dass gängige Detektoren über 61 % der englischen Prüfungsaufsätze von Nicht-Muttersprachlern fälschlich als KI-generiert einstuften (Stanford HAI, 15.05.2023).
Ein falscher Verdacht kann einer Autorin oder einem Autor schaden und Ihrem Haus den Ruf kosten. Ein Detektor-Ergebnis sollte deshalb nie allein über eine Absage entscheiden.
Was Sie konkret tun können
1. Klare Regeln in die Einsendungsrichtlinien schreiben. Legen Sie fest, was erlaubt ist und was angegeben werden muss. Ein Beispiel aus dem Fachverlagsbereich: Der Kaden Verlag erlaubt seinen AutorInnen Übersetzung und sprachliche Glättung ohne Angabe, verlangt aber, dass KI-gestützte Textgenerierung transparent dargelegt wird. Bilder sollen nicht durch KI erstellt werden (Kaden Verlag: Autorenhinweise 2026). Eine ähnliche Unterscheidung nutzt Amazon KDP zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“ (KDP Content Guidelines).
2. Eine Erklärung zur Entstehung abfragen. Bitten Sie bei jeder Einsendung um eine kurze Angabe, ob und wie KI genutzt wurde. Das ersetzt keine Prüfung, schafft aber Klarheit und eine Grundlage für Rückfragen.
3. Entstehungsmaterial anfordern, wenn es ernst wird. Frühere Fassungen, Notizen, ein Versionsverlauf oder bei Bildern Arbeitsdateien mit Ebenen und RAW-Dateien zeigen, wie ein Werk entstanden ist. Wer selbst geschrieben oder gezeichnet hat, kann solches Material meist vorlegen.
4. Vertraglich vorsorgen. Prüfen Sie, ob Ihr Verlagsvertrag regelt, wie das Werk entstanden sein darf und was bei falschen Angaben gilt. Wie eine Klausel zur KI-Nutzung konkret aussehen sollte, klären Sie am besten mit Ihrer Rechtsberatung.
5. Eine unabhängige Einschätzung einholen. Wenn Ihnen die Zeit oder die Erfahrung für eine genaue Prüfung fehlt, können Sie Fachleute hinzuziehen.
Unsere Vorab-Prüfung für Verlage und Agenturen
Mit der Vorab-Prüfung bekommen Sie zu einem Manuskript eine fachliche Einschätzung in drei Stufen: unauffällig, genauer prüfen oder auffällig. Daran sehen Sie, wo sich ein genauerer Blick oder ein Gespräch mit den Einsendenden lohnt. Wie bei unserer Zertifizierung arbeiten wir dabei ohne KI.
Wichtig: Die Vorab-Prüfung ist eine Einschätzung und kein Nachweis. Sie ist auch keine Zertifizierung und berechtigt nicht zum menschgemacht-Siegel. Wer ein Werk zertifizieren lassen möchte, findet unter Für Verlage unser Angebot für ganze Programme.
Sie möchten mehr wissen? Schreiben Sie uns über die Seite Vorab-Prüfungen.
Quellen: Neil Clarke: A Concerning Trend · eBookFriendly: Amazon KDP limit · OpenAI: New AI classifier for indicating AI-written text · Stanford HAI: AI-Detectors Biased Against Non-Native English Writers · Kaden Verlag: Autorenhinweise 2026 · Amazon KDP: Content Guidelines · menschgemacht: Vorab-Prüfungen